Epoche I (1878-1900)

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Wie der "Geschichte der Stadt Tulln" zu entnehmen ist, wurde die alte, ehemals landesfürstliche Stadt immer wieder von Brandkatastrophen heimgesucht. Durch ihre Lage an der Donau hatte Tulln aber auch unter Überschwemmungen und Hochwasserkatastrophen zu leiden.

Am 23. Juli 1597 wurden bei einem Großbrand 42 Häuser mit der größtenteils eingebrachten Frucht vernichtet. 1646 brannte die Stadt ab und viele Bewohner zogen fort. Die Verbliebenen konnten sich durch einen günstigen Ernteertrag einigermaßen helfen. Ein im Jahre 1716 entstandener Brand konnte noch bewältigt werden. Er war Anlaß, den Brandbekämpfungsmaßnahmen ein noch größeres Augenmerk zuzuwenden.

Da die jeweils anfallenden Löscharbeiten damals noch eine Angelegenheit der gesamten Bewohnerschaft waren, wurden "Viertelmeister" eingeführt. Sie hatten die Stadtbewohner im Brandfalle für die Löscharbeiten anzuleiten. An Löschgeräten verwendete man vorerst Löscheimer, die durch eine Menschenkette von der Löschwasserbezugsstelle zum Brandherd gereicht wurden. Auch Anstelleitern und Einreißhaken wurden bei der Brandbekämpfung eingesetzt. Man wird auch in Tulln sogenannte "Stockspritzen" verwendet haben. Es waren dies etwa einen Meter lange Holzröhren mit Kolben. Das Wasser wurde mit diesem einfachen Löschgerät aus einem Bottich angesaugt und auf den Brandherd gespritzt.
 
Nach einem "Rathsbeschluß" (1716) mußte jeder Angehörige des inneren Rates sechs Löscheimer und jedes Mitglied des äußeren Rates zwei Löscheimer kostenlos zur Verfügung stellen. Als besondere Maßnahme des vorbeugenden Brandschutzes wurde mit dem städtischen Rauchfangkehrermeister ein Vertrag abgeschlossen, daß er bei Kleinhäuslern dreimal, in Wirts-, Bäcker- und großen Wirtschaftshäusern viermal jährlich die Feuerstätten kehre.

Ähnlich dem Türmerdienst zu St. Stephan in Wien schuf man auch in Tulln im Jahre 1728 eine derartige Wache. Zwischen den beiden Kirchtürmen wurde eine Dienstwohnung für den Totengräber eingerichtet, der auch Ausschau zu halten hatte und zur Abgabe des Brandalarmes verpflichtet war. Bei Stadtbränden hatte er die große Glocke anzuschlagen, bei Bränden in Nachbarorten das "Feuerhorn" zu blasen. In Richtung des Brandortes mußte er von seiner Wohnung aus bei Tag eine rote Fahne und bei Nacht eine beleuchtete Laterne ausstecken. Auch bei jedem "heftigen Wind" hatte der Turmwächter "den gewöhnlichen Warnungsruf" in die Stadt abzugeben.

Ein weiterer Großbrand traf Tulln am 21. März 1752. Er entstand im Hause des Johann Georg Schwertfeger in der Krongasse durch Überheizen eines Waschkessels. Hierbei fielen 85 Objekte den Flammen zum Opfer, der Gesamtschaden betrug 69.580 Gulden. Neben den genannten Kleinlöschgeräten besaß die Stadt schon eine große und eine kleine Feuerspritze die ein Wiener Glockengießer, vermutlich Franz Wucherer (1716-1763) aus der "Vorstadt", er goß auch das Geläute der Tullner Pfarrkirche, im Jahre 1755 "in Stand" setzen mußte.
   
Am 17. Juli 1779 wurde die Stadt neuerlich von einer Brandkatastrophe heimgesucht - dabei wurden 79 Häuser und 2 Stadeln vernichtet.

Karrenspritze, 18. Jahrhundert (Heimatmuseum Tulln)

Zur Einübung der Stadtbewohner in der Brandbekämpfung veranstaltete man "Feuerproben". Im Jahre 1779 wurde eine eigene Feuerordnung für die Stadt Tulln beschlossen. Im allgemeinen legten die Feuerordnungen fest, daß die Handwerksleute nach einer bestimmten Einteilung bei Bränden Hilfe zu leisten haben. Diese Regelung galt auch für Tulln. Für die rasche Bespannung der städtischen Feuerspritze setzte man Geldbeträge aus. Wer zuerst mit seinen Pferden zur Spritzenbespannung eintraf erhielt fünf Gulden und sein Knecht zwei Gulden. Ebenso wurden die Spritzenmänner belohnt. Der erste bekam zwei Gulden, der zweite ein Gulden.

Am 7. September 1782 erließ Kaiser Joseph II. eine "Feuerordnung für die Landstädte und Märkte Niederösterreichs". Diese 72 Paragraphen umfassende obrigkeitliche Regelung auf dem Gebiete des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes hat auch in Tulln einen entsprechenden Niederschlag gefunden. So erging im Jahre 1784 ein kreisamtlicher Befehl, wonach die Errichtung von Stadeln in der Stadt verboten wurde. "Wer widerrechtlich in der Stadt Stadln erbaut oder in zum Schein erbauten Schupfen Fechsungen einlegt, soll in Eisen geschlagen werden und Gassen kehren". Das Verbot bestand schon durch Ratsbeschluß seit dem Jahre 1601, wurde aber umgangen. Diese mit der Fechsung gefüllten Stadeln stellten immer wieder eine große Brandgefahr dar.
 

Nachdem die alten Spritzen schadhaft geworden waren, kaufte die Stadt zwei neue Feuerspritzen mit einem Fassungsraum des Spritzenkastens von 7 bzw. 14 Eimern Löschwasser. Aus Oberösterreich schaffte man im Jahre 1799 eine fahrbare Schiebeleiter an.

Trotz der Löschvorkehrungen und des Türmerdienstes für den Brandalarm kam es immer wieder zu Großbränden. So wurden am 2. August 1819 19 Häuser ein Opfer der Flammen. Im September 1834 trieb in Tulln ein Brandleger sein Unwesen. Vom Magistrat wurde eine Brandsicherheitswache in der Stärke von 29 Mann aufgestellt, die in jedem Stadtviertel zu je zwei Mann bei Tag und zu je vier Mann bei Nacht ihre Rundgänge zu machen hatte. Für die Bespannung der Feuerspritze und der Wasserwagen mußten bei Tag zwei und bei Nacht vier Pferde bereitgehalten werden. Auch hatte in allen Häusern Löschwasser vorrätig gehalten zu werden.

Der Magistrat stellte im Jahre 1839 aus den Reihen der Tagwerker vier Nachtwächter an, die für ihren Wachdienst 30 Gulden jährlich erhielten. Sie trugen "Bundamäntel mit Kapuzen" zum Schutz gegen Witterungseinflüsse, also eine Art Dienstkleidung. Diese Wachmannschaft hatte besonders auf die Feldscheunen ihre Aufmerksamkeit zu richten.

Ein neuerlicher Großbrand betraf Tulln am 17. Mai 1838. Er entstand beim Kaufmann Lixl - 21 Häuser wurden vernichtet. Am 4. März 1851 brach am Hauptplatz ein Brand aus, dem schließlich 84 Häuser zum Opfer fielen und zwar am Milchplatz, in der Rathausgasse, Pfarrgasse, Wassertorgasse, am Frauenhof bis zur Donau. Zum Gedenken an diesen Brand wurde noch bis ins Jahr 1978 auf Grund eines damaligen Ratsbeschlusses an jedem 4. März die große Glocke geläutet.

Aber auch Überschwemmungen und Hochwasserkatastrophen suchten immer wieder die Stadt Tulln heim. So lesen wir von Wasserkatastrophen in den Jahren 1118, 1172, 1193, 1210, 1235, 1280, 1360. Im Jahre 1402 verheerte die Donau das Tullnerfeld. 1616 stürzten die "Hufschläge" und ein Teil des Minoritenklosters durch ein Donauhochwasser ein. Ein gewaltiger Wolkenbruch richtete im Juli 1804 einen großen Schaden an, wobei auch der große und kleine "Tullnbach" aus den Ufern traten. Bei der großen Donauüberschwemmung vom 28. Februar bis zum 1. März 1830 rettete ein bereits vorhandener Schutzdamm die Stadt vor einer Überflutung. Im Zuge der Donauregulierung gelang es bei dem Hochwasser des Jahres 1899 die Gefahr abzuwenden.

Der Verantwortung bezüglich der Hilfeleistung bei öffentlichen Notständen bewußt, veranlaßte Bürgermeister Ignaz Pollmann mit Weisung vom 17. April 1875 die "Probierung" der Feuerspritzen durch die Stadtbausektion. Die am 21. April 1875 erfolgte Überprüfung verlief für die Feuerspritzen positiv, lediglich ein Wasserwagen mußte repariert werden. In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 21. September 1876 wurden vier Feuerlöschkommissäre bestimmt. Ihre Aufgabe bestand darin, im Einvernehmen mit dem Gemeindevorstand die "Löschausfahrten" zu bestimmen. Diese Kommissäre waren: Für das 1. Viertel H. Jelinek, für das 2. Viertel H. Klein, für das 3. Viertel H. Stiwar und für das 4. Viertel H. Pollmann.

Die Bürgerschaft der alten landesfürstlichen Stadt Tulln erkannten aber auch, daß die althergebrachte Art der Brandbekämpfung und der sonstigen Hilfeleistungen keinesfalls ausreichte. Es reifte die Erkenntnis, daß nur durch eine entsprechend ausgebildete Körperschaft bei Bränden und sonstigen Notständen aller Art wirksam Hilfe geleistet werden kann. Den ersten Anstoß zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr gab das Gemeindeausschußmitglied Josef Lardemer. Er stellte an die Gemeindevertretung der l.f. Stadt Tulln den Antrag "in Berücksichtigung des allgemeinen Wohles" in Tulln eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Dieser Eingabe wurde auch ein Statutenentwurf beigelegt. Am 21. Dezember 1875 wurde dieser Statutenentwurf nach Behandlung in der Gemeindeausschußsitzung zur "vorläufigen Kenntnis" genommen, mit Dank rückgemittelt, wobei noch erwähnt wurde, daß weitere Anträge erwartet werden.

Ein im Orginalentwurf vorliegende Aufruf (ohne Datum) zur Errichtung einer freiwillige Feuerwehr in Tulln an die "Geehrten Bürger und Mitbewohner Tulln`s", gezeichnet von Bürgermeister Pollmann, war ein weiterer Schritt zur Verwirklichung eines organisierten Hilfsdienstes bei Bränden und sonstigen öffentlichen Notständen.

In einem Kalendarium soll nun ein Nachweis über die nunmehr 122jährige selbstlose Hilfsbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Tulln erbracht werden:

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1878

"Gut Ding braucht Weile", diese Worte finden sich in der ersten Zeile des 1. Protokollbuches der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Tulln für die Jahre 1878 - 1900. Damit wollte man sicherlich die verspätete, aber schon vor längerer Zeit beabsichtigte, Neugründung entschuldigen.

Als eifriger Werber für die neue Feuerwehr betätigte sich der Notariatssollizitator Johann Theurer.

Am 16. Juni 1878 wurde unter dem Vorsitz von Bürgermeister Josef Ursin nach § 36 der "Feuerpolizeiordnung für das Erzherzogthum unter der Enns mit Ausschluß der Haupt- und Residenzstadt Wien", Landesgesetz vom 1. Juni 1870, die Wahl der Kommandantschaft vorgenommen. Das Wahlergebnis wurde öffentlich kundgemacht.

Die Statuten der neugegründeten Feuerwehr wurden am 12. Juli 1878 mit Zl. 20884 - G 4 von der k.k. niederösterreichischen Statthalterei genehmigt. Nach diesen Statuten war eine Wahl alljährlich durchzuführen.

Statuten vom 12. Juli 1878

Die Feuerwehrmänner wurden von Exerziermeister Adolf Schneider aus Wien, innerhalb von 12 Tagen ausgebildet. Der Gesamtstand betrug 48 Mann, die Einteilung erfolgte in drei Zügen. Die Stadtgemeinde kaufte auch von der Firma Hekele in Wien-Fünfhaus eine Fahrspritze die nunmehr neben alten Wagen und Geräten zur Verfügung stand.

Bei 31 Neugründungen im Jahre 1878, hiezu gehörte auch die freiwillige Feuerwehr der Stadt Tulln, betrug die Gesamtzahl der freiwilligen Feuerwehren in Niederösterreich 336. Die Feuertaufe erhielt die junge Wehr am 17. August 1878. Sie wurde um 9.00 Uhr mit Hornsignal alarmiert. Der diensthabende 3. Zug rückte zur Brandbekämpfung eines Wohnhausbrandes nach Chorherrn aus. An dieser ersten Ausfahrt nahmen folgende Feuerwehrkameraden teil: Bodenseer, Fleischmann, Lendl, Mattes, Szagany, Sachs Isidor, Sachs Franz, Theurer, Weiss (Binder), Wolfahrdt, Wallner, und Heimel. Die vorgenannte neue Fahrspritze erhielt bei dieser Ausrückung ebenfalls ihre Feuertaufe und wurde nach dem Einrücken von der im Dienst gestandenen Mannschaft "Helene" getauft.

Die Gemeindevertretung erließ am 21. August eine Feuerlöschordnung nach dem diesbezüglichen Muster der Stadt Stein an der Donau.

Ein weiterer Einsatz ergab sich am 18. September 1878 bei einem Großbrand in Rust.

Standesregister aus dem Gründungsjahr 1878

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1879

Am 2. Jänner mußte bei einem Großbrand in Ollern (13 Häuser, 6 Nebengebäude und 10 Scheunen) Hilfe geleistet werden. Im Zuge der Löscharbeiten erlitt der Feuerwehrmann Karl Schwarz durch Einsturz einer Zimmerdecke eine Fußverstauchung und Rippenbrüche.

In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 15. Jänner wurde ein Ansuchen der Feuerwehr betreffend Abhilfe von Mißständen bei der Bespannung der Feuerspritzen behandelt. Es folgte eine gemeindeamtliche Anordnung, wonach der Pferdebesitzer, der turnusmäßig die Bespannung beistellt, diese Dienstleistung strengstens einzuhalten hat "bei sonstiger Aufnahme auf seine Gefahr".

Am 5. Februar 1879 fand der erste Feuerwehrball statt, wobei der Besuch und das Reinerträgnis als "sehr günstig" bezeichnet wurde. In diesem Jahre bildete sich auch eine Feuerwehr-Musik-Kapelle unter dem Kapellmeister Josef Schwarz. Anläßlich eines Fackelzuges für den neugewählten Bürgermeister Rudolf Lixl rückte diese Kapelle erstmalig aus.

Unter der Leitung von Exerziermeister Köstlbauer wurde eine Feuerwehr-Turnerabteilung geschaffen. Die Stadtgemeinde bewilligte ein Ansuchen um Überlassung des Turnsaales.

Mit Zl. 34027 - G 4 vom 24. Oktober 1879 genehmigte die NÖ Statthalterei die Gründung des Bezirks-Feuerwehrverbandes Tulln. Dieser Verband umfaßte die Freiw. Feuerwehren des Gerichtsbezirkes Tulln.

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1880

Hydrophor (Ankauf 1880)

Anläßlich des Eisganges in der Donau übernahm die Feuerwehr am 2. und 3. Jänner den Wach- und Sicherungsdienst.

Der erste Einsatz der Feuerwehr im Tullner Stadtgebiet erfolgte am 21. Jänner, und zwar bei einem Rauchfangfeuer im Hause Nr. 188 des Johann Höfinger. Es bestand jedoch keine Brandgefahr. 

Am 11. Juli gegen 19.30 Uhr alarmierte der Türmer die Feuerwehr - es war der Dachstuhl des Bahnhofgebäudes in Brand geraten. Mit Unterstützung der freiwillige Feuerwehr Freundorf und der aus freiwilligen Helfern des Infantrieregimentes "Erzherzog Leopold" bestehenden Pumpmannschaft, konnte der Brand rasch lokalisiert und gelöscht werden. Eine wertvolle Löschhilfe stellten zwei Lokomotiven dar, die aus Absdorf kamen. Aus deren Tender konnte Wasser für Löschzwecke entnommen werden. Im Berichtsjahr wurde ein Steigerhaus errichtet sowie ein Mannschaftswagen und diverse Werkzeuge angekauft. Von Seiten der Stadtgemeinde kaufte man einen Hydrophor und übergab ihn der Feuerwehr.

Einen besonderen Dank sagte die Feuerwehr der Sparkasse, die bisher 1320 Gulden spendete. Auch 108 unterstützende Mitglieder besaß damals die Feuerwehr. In diesem Jahre wurde die besondere Hilfsbereitschaft und Verläßlichkeit der Feuerwehrmänner aus dem Handwerker- und Taglöhnerstand lobend erwähnt und sie als "Perlen" der Feuerwehr bezeichnet.

10 Einsätze wurden geleistet.

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1881

Anläßlich einer Ausschußsitzung am 28. Februar erklärte Feuerwehrhauptmann Fara, Paradeuniformen auf seine Kosten anfertigen zu lassen, gegen eine geringe Rückzahlungsrate von 20 Kreuzern pro Woche.

Es wurden 20 verschiedene Übungen abgehalten und der Übungsbesuch als sehr gut bezeichnet. Im Jahre 1881 wurde das Feuerwehrgerätehaus vom ehemaligen Theatergebäude (Bürgerspital) in den Widhof, Stiegengasse 2, verlegt. Acht Brandeinsätze ergaben sich und außerdem vier vergebliche Ausfahrten. Drei Schlauchhaspeln, 40 m Schläuche und ein Signalhorn wurden angeschafft.

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1882

Der Vorschußverein Tulln widmete der Feuerwehr den Betrag von 200 Gulden. Damit wurde bei der bekannten Firma Köllsch in Graz eine Schiebeleiter (14 m) angekauft. Über Anforderung der k.k. Bezirkshauptmannschaft Hernals mußte bei einem "in Tulln anwesenden Theater" die Brandsicherheitswache gestellt werden. Am 2. Jänner ergab sich ein Wachdienst anläßlich einer Hochwassergefahr. Die Sparkasse übergab 50 Gulden zum Ankauf von Schläuchen.

13 Brandeinsätze und 2 blinde Alarme ergaben sich im Jahre 1882.

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1883

Erstmalig in der Geschichte der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Tulln mußten zwei Brandeinsätze an einem Tag geleistet werden. Es war dies am 26. Februar, und zwar ein Brand in Ollern und ein Brand in Tulln, Karlsgasse 9.

Bei einem Brand in Staasdorf am 7. Oktober erlitt der Hornist Obermeier eine Zerrung des Schultergelenkes. Er erhielt 14 Gulden von der Unterstützungskasse. Insgesamt ergaben sich 9 Brandausrückungen und 9 Brandsicherheitswachen. 8 Übungen wurden abgehalten.

Die Stadtgemeinde übergab der Feuerwehr für die Jahre 1882 und 1883 eine Subvention von 100 Gulden. Auch regelte die Gemeinde die Bespannung der Feuerwehrwagen, dies wurde von der Feuerwehr besonders dankbar anerkannt. Feuerwehrhauptmann Fara legte seine Stelle zurück.

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1884

Anton Eibensteiner wurde zum Hauptmann gewählt. 7 Brandeinsätze sind verzeichnet, darunter der Brand einer Schiffmühle am 25. August in Muckendorf und der Brand von zwei Schiffmühlen am 16. Dezember in Tulln.

Am 20. Juli fand ein Fest des Bezirks-Feuerwehrverbandes Tulln statt. Eine Großübung am "Spenglerhaus am Platz" war der Mittelpunkt des Festes. Es erschienen die Freiw. Feuerwehren Wien IX. (Alsergrund), Eggenburg, Gmünd, Weikersdorf, Rodaun, Hernals, Währing, Heiligenstadt, Nußdorf, Klosterneuburg, Weidling, Königstetten, Tulbing, Staasdorf, Freundorf, Sieghartskirchen, Rappoltenkirchen, Preßbaum, Neuaigen, Stockerau, Hausleiten, Korneuburg und eine Abordnung der Wiener Berufsfeuerwehr. Insgesamt waren über 300 Feurwehrkameraden anwesend.

Zum Obmann des Bezirksfeuerwehrverbandes Tulln wurde Anton Eibensteiner (Tulln) gewählt, zu seinem Stellvertreter Ignaz Köpfinger (Königstetten) und zum Schriftführer Josef Köstlbauer (Tulln).

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1885

Die Feuerwehr trat dem I. NÖ Feuerwehr-Unterstützungsverein bei. Bereits am 10. März erhielt H. Ostermayer von dem genannten Verein eine Unterstützung von 50 Gulden. Dr. von Vigili scheint als erster Feuerwehrarzt auf. Er behandelte verunglückte Feuerwehrmänner kostenlos. Mag. pharm. Lunaczek überließ kostenlos Medikamente. Die Generalversammlung, bei der M. Eibensteiner zum Hauptmann gewählt wurde, fand am 11. Jänner statt.

Die Feuerwehren Radlbrunn, Tulbing, Staasdorf und Neuaigen wurden vom Tullner Exerziermeister Köstlbauer gänzlich unentgeltlich eingeübt. Der Mannschaftsstand wuchs im Laufe dieses Jahres von 49 auf 88 Feuerwehrleute.

Die Stadtgemeinde gab ihrer Feuerwehr eine Subvention von 50 Gulden. Am 18. Juli legte Hauptmann Anton Eibensteiner seine Stelle nieder. Durch seine mustergültige Dienstauffassung genoß er bei seinen Kameraden die größte Achtung. Zum Hauptmann wurde Josef Eret gewählt. Ein Steigerhaus errichtete man "an der Stelle wo die Mühlen standen". Das Holz spendete Herr Theodor Anton. Erzherzog Albrecht ließ der Feuerwehr eine Spende von 30 Gulden überweisen.

Dem Viertelsvertreter Josef Koch, Hauptmann der Freiw. Feuerwehr Simmering (Ort) war es zu danken, daß für die Tullner Wehr vom NÖ Landesausschuß eine Subvention von 200 Gulden erwirkt werden konnte. In der Sitzung vom 26. Oktober wurde beschlossen, eine Kasse zur Unterstützung verunglückter Feuerwehrmänner in Tulln zu gründen.

Es wurde neunmal zu Bränden ausgerückt, 25 Übungen und mehrere Brandsicherheitswachen abgehalten. Eine genaue Überprüfung der Gurte, Rettungsleinen und Leitern wurde durchgeführt. Es konnten keine Mängel festgestellt werden.

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1886

Am 24. Jänner fand die Jahresversammlung im Hotel Brenner statt bei der die Feuerwehr Tulln geteilt wurde: Die erste Abteilung unter dem ersten Hauptmann bestand aus drei Löschzügen, welche außer dem internen Dienste auch den auswärtigen Dienst, sowie Wachen und Bereitschaften versahen. Die zweite Abteilung unter dem zweiten Hauptmanne trat nur bei Bränden in Tulln in Aktion; sie bestand aus einem vollständigen Löschzuge, einem Wasserbeschaffungszuge und einem Ordnungszuge.

Aus einer Spende der Sparkasse erfolgte der Ankauf von Saug- und Druckschläuchen. Mit Unterstützung der Gemeinde wurde von der Firma Hekele, Wien-Fünfhaus, ein Hydrophor gekauft, am 21. März erprobt und übernommen.

Immer wieder wird der tüchtige Exerziermeister der Tullner Feuerwehr, Josef Köstlbauer, lobend erwähnt.

16 Übungen wurden durchgeführt und zu drei Bränden ausgerückt.

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1887

Wegen seiner Tätigkeit als Stadtkämmerer legte das Gründungsmitglied der Feuerwehr, Josef Eret, seine Hauptmannstelle nieder. Zum neuen Hauptmann wurde der Baumeister Bruno Großmann gewählt.

Die Feuerwehr erhielt durch die Rührigkeit des Kommandanten-Stellvertreters Brenner unentgeltlich einen Schlauchwagen, indem einige Gönner sich durch Geldspenden verdienstlich machten, während die Geschäftsleute und zwar die Herren Leithäusl, David, Brosch, Binder die Arbeit kostenfrei leisteten. Der Schlauchwagen bewährte sich sehr gut. Der Mitgliederstand betrug 90 Mann.

Herr Leiter spendete eine Rauchmaske, die dürfte das erste Atemschutzgerät der Tullner Feuerwehr gewesen sein. Der Schriftführer der FF Tulln, Leopold Berger, wurde Obmann des Bezirksfeuerwehrverbandes Tulln. Es mußte auch eine Reparatur "der vielgeliebten Leni" (Fahrspritze) - wie es im Protokollbuch wörtlich heißt - durchgeführt werden. Beim 13. NÖ Landesfeuerwehrtag in Wien am 2. Oktober wurde beschlossen, den nächsten Landesfeuerwehrtag in Tulln abzuhalten.

24 Brandeinsätze werden für das Berichtsjahr verzeichnet, 13 Übungen dienten zur Weiterbildung der Mannschaft.

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1888

Am 29. Jänner fand die Generalversammlung im Hotel Brenner statt.

Wie immer bewilligte die Gemeinde 60 Gulden an Subvention. Die Sparkasse widmete zur Anschaffung von Lodenblusen 150 Gulden. Am 10. August fand das Fest des 10jährigen Bestandes statt. Es war verbunden mit einer Großübung am Minoritenplatz.

An Leistungen wurden erbracht: 11 Brandeinsätze, 43 Brandsicherheitswachen, 17 Übungen

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1889

Die Sparkasse spendete auch in diesem Jahr der Feuerwehr, und zwar 100 Gulden. Von Frau Bauser erbte die Feuerwehr 100 Gulden.

5 Brandeinsätze und 17 Übungen wurden verzeichnet. Der Stand betrug 94 Mann. Erstmalig fand auch im Rahmen der Feuerwehr eine Chargenschule statt.

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1890

Immer wieder bereiten die mangelhaften Löschwasservorkehrungen bei den Scheunen der Feuerwehr eine große Sorge.

Viel Arbeit brachte allen Kameraden und sonstigen Helfern der 14. NÖ Landesfeuerwehrtag, der am 20. Juli in Tulln abgehalten wurde. Unter dem Vorsitz des Obmannes des NÖ Landesfeuerwehrverbandes Dr. Josef Wedl (Wiener Neustadt) wurden die Beratungen des Landesfeuerwehrverbandsausschusses vorgenommen. Vertreter von 101 Feuerwehren mit über 2000 Mann waren "mittels Dampfroß oder Mannschaftswagen" in Tulln erschienen. An einer Großübung am Hauptplatz nahmen 13 Freiw. Feuerwehren aus der näheren Umgebung von Tulln teil.

Anläßlich des Landesfeuerwehrtages fand auch eine Ausstellung verschiedener Firmen statt, dabei wurden Feuerwehrfahrzeuge und Geräte, Leitern, Sanitätsgeräte, Uniformen sowie Telephon- und Telegrapheinrichtungen zur Schau gestellt.

3 Brandeinsätze mußten geleistet werden.

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1891

Der am 22. Februar abgehaltenen Generalversammlung wohne eine Deputation der Freiw. Feuerwehr Königstetten bei, welche dem verdienstvollen Exerziermeister Köstlbauer das Diplom als Ehrenmitglied der ältesten Feuerwehr des Bezirkes überbrachte. Bei der durchgeführten Wahl wurde Wilhelm Eder zum Kommandanten gewählt. Er erklärte sich bereit, für die Kosten der Errichtung einer "Telegraphischen Verbindung zur Alarmierung sämtlicher Feuerwehrmitglieder" leihweise aufzukommen. Die Anlage wurde von Korporal Devok des in Tulln stationierten Kavallerie-Telegraphenkurses erbaut und im Jahre 1894 fertiggestellt. Sie kostete 774 Gulden. Viele Gönner hatten sich durch Geldspenden um dieses Werk der "stillen Alarmierung" verdient gemacht.

Im Rahmen des Gemeindeausschusses wurde eine Feuerlöschkommission gebildet. Sie bestand aus Gemeinderäten und Feuerwehrfunktionären. Ihre Aufgabe bestand darin, die Gemeinde in allen Angelegenheiten des Brandschutzes zu beraten.

Die Gemeinde kaufte 300 m Schläuche. Eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Tulln wurde ausgearbeitet. Im Berichtsjahr fanden auch wieder Ausbildungskurse für die gesamte Mannschaft statt.

4 Brandeinsätze

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1892

Im Rahmen der Feuerwehr wurde ein Musikfonds gegründet. 6 Brandeinsätze, 1 Hochwassereinsatz, 18 Übungen

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1893

Über Ersuchen des Reichs-Kriegsministeriums wurde im Rahmen der Feuerwehr eine "Lokal-Krankentransport-Kolonne" des Roten Kreuzes gebildet. Es war dies die Kolonne Nr. 72, die geforderte Mannschaftszahl betrug 16. Tatsächlich meldeten sich jedoch 18 Kameraden für diesen Dienst. Die Ausbildung führte Stadtarzt Dr. Julius Plenk durch. Nach der Dienstinstruktion dieser in ganz Österreich errichteten Kolonnen hatten die Feuerwehrmänner im Falle einer Mobilisierung den Transport der in der Heimat eintreffenden verwundeten oder erkrankten Soldaten zu übernehmen.

Diese Kolonne bildete auch den Grundstock für die Feuerwehr-Rettungsabteilung Tulln. Eine Inspizierung dieser Kolonne durch den Sanitätschef des II. Korpskommandos, Generalstabsarzt Dr. Friedl, fiel zur vollsten Zufriedenheit aus.

Die Feuerwehr-Alarmleitung wurde jährlich durch die Gemeinde mit 20 Gulden und von Seiten des "Militär-Ärars" jährlich mit 50 Gulden subventioniert.

11 Brandeinsätze

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1894

Dienstordnung der Freiw. Feuerwehr Tulln, 1894

Einführung von Chargenübungen und Aufstellung eines Übungsplanes. Eine mehrmalige Tätigkeit der Rettungsabteilung wird lobend erwähnt.

2 Brandeinsätze, 13 Übungen

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1895

Im Berichtsjahr wurden die Schulden bezüglich der Alarmleitung voll beglichen, ebenso der Schuldbetrag der anläßlich der Abhaltung des 14. NÖ. Landesfeuerwehrtages im Jahre 1890 entstanden war.

Besonders freute sich die Feuerwehr, daß sie in ihrer Gesamtheit zur Hochzeit ihres Kommandanten Wilhelm Eder eingeladen wurde. "Es war eine Hochzeit für die gesamte Feuerwehr" heißt es im Protokoll des Jahres 1895.

6 Brandeinsätze

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1896

Bei der Firma Dobrobovolsky wurden neue Helme angeschafft.

Am 5. August legte Kommandant Eder seine Stelle nieder. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung vom 26. August wurde Leopold Berger, Lehrer, zum Kommandanten gewählt.

6 Brandausrückungen und eine "stattliche Anzahl" an Übungen.

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1897

Eine Überholung der gesamten Alarmleitung mußte vom Wiener Elektromeister Engelmann durchgeführt werden.

Anläßlich der Unwetter- und Hochwasserkatastrophen des Jahres 1897 hatte die Feuerwehr Dammsicherungsdienst geleistet und die Rettung von Haustieren durchgeführt. 50 Mann standen 2.408 Stunden im Einsatz.

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1898

Anläßlich des 20jährigen Bestandes der Feuerwehr wurden eine Geräteschau und eine Großübung mit mehreren Nachbarfeuerwehren abgehalten. Kommandant Berger und Hauptmann Sedlmayer wurden Ehrenmitglieder des Veteranvereines Tulln. Obmann Holzschuh überreichte die Diplome.

2 Brandeinsätze und eine "große Zahl" von Übungen.

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1899

Im Protokoll wurde vermerkt, daß die "Finanzen auf glänzend stehen". Alle Schulden wurden bezahlt. Anläßlich der Hochwasserkatastrophe mußten mehrtägige Bereitschaftsdienste geleistet werden.

Der langjährige Exerziermeister Köstlbauer legte seine Stelle zurück. Es ergaben sich 10 Brandeinsätze.

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1900

Der Übungsbesuch wird als sehr gut bezeichnet. Kommandant Berger legte seine Stelle wegen beruflicher Verhinderung nieder. Er wurde zum Ehrenhauptmann ernannt. Die Chargen und die Mannschaft überreichten ihm eine "Ehrenkette" (vermutlich eine Uhrkette).

Für die Zeit von 1901 bis 1920 fehlen die Protokolle. Einige Angaben konnten aus den Kassabüchern entnommen werden.

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